Donnerstag, 02. Oktober 1997

 Flug Karachi - Islamabad

Christiane Heer; Jan Zellmer

 
Am Vormittag Flug von Karachi nach Islamabad mit PIA (Pakistan International Airlines). Am Flughafen bereits Zusammentreffen mit den zwei Guides und den zwei Fahrern von Indus-Guides, die uns die nächsten zwei Wochen begleiten sollten (Namen der Guides: Shafiq Malik und Jamil Khan; Namen der Fahrer: Nasir Shah und Riaz Khan). Fahrt zum Hotel Regency. Am Nachmittag kleine Stadtrundfahrt durch Islamabad.

Die „Stadt des Islam“ ist nur auf dem Reißbrett entstanden und wurde im Schachbrettmuster angelegt. Der Grundstein zum Bau der Stadt wurde 1961 gelegt, 1965 löste Islamabad Karachi als politisches Zentrum Pakistans ab. Der Hauptgrund der Verlagerung des Regierungssitzes von Karachi an die Füße der Margalla-Hügel, 15 km nördlich von Rawalpindi, war das mildere und gemäßigtere Klima im Norden. Islamabad liegt 610 m über NN, auf 32° nördlicher Breite. Von den in ganz Pakistan lebenden 136 Mio. Einwohnern leben eine Mio. in Islamabad. Islamabad bildet mit Rawalpindi eine Zwillingsstadt mit insgesamt zwei Mio. Einwohnern.

Die Stadtrundfahrt führte vorbei an der islamischen Bücherei, am Supreme Court of Pakistan, am Parlamentsgebäude und am Präsidentensitz. Das Senatsgebäude lag ebenfalls auf dem Weg (das Regierungssystem in Pakistan setzt sich aus drei Komponenten zusammen: Senat, Nationalparlament und Länderparlament). Im Osten Islamabads liegt die „Diplomatic Enclave“, wo Botschaften anderer Länder (u. a. Deutschland) zu finden sind. Bei einer Fahrt durch Islamabad fallen nicht nur die breiten, geraden Alleen und Straßen auf, sondern auch die vielen Häuser reicher Leute (z. B. Landlords, Geschäftsleute, Politiker u. v. m.). Dadurch fällt Islamabad im Vergleich zu vielen anderen Städten Pakistans, wie z. B. Karachi, Peshawar oder Multan, völlig aus dem Rahmen. Man sieht, daß es keine historisch gewachsene Stadt ist.

Pakistan - Faisal-MoscheeHöhepunkt der Stadtrundfahrt war der Besuch der Faisal-Moschee. Diese größte, modernste Moschee der Welt liegt im Nordwesten der Stadt wirkungsvoll vor den Margalla-Hügeln. Sie ist Ende der 70 er Jahre von einem türkischen Architekten entworfen und 1984 fertiggestellt worden. Die Moschee ist ein Geschenk von König Faisal von Saudi-Arabien an Pakistan. Die sechseckige, 40 m hohe Gebetshalle soll ein Beduinenzelt in der Wüste symbolisieren, die vier 90 m hohen Minarette stellen Raketen dar, die den Islam in die Welt tragen sollen. Innerhalb des Gebäudes können 15.000 Menschen zur selben Zeit beten, im Park darum herum noch mal 85.000 Menschen. D.h., es können 100.000 Menschen zur selben Zeit an diesem Ort beten! Der Innenraum der Moschee ist für Frauen nur von einem schmalen Balkon aus zu sehen, betreten dürfen sie den Innenraum gar nicht. Um das Hauptgebäude herum sind unzählige Wasserbecken und Springbrunnen angelegt, u.a. für die rituellen Waschungen vor dem Gebet. Der Boden des Gebäudekomplexes, zu dem noch ein Museum, eine Bibliothek sowie eine islamische Universität gehört, ist aus poliertem Marmor.

Neben den bisher beschriebenen kulturellen Sehenswürdigkeiten wurde bei dem Halt vor der Faisal-Moschee auch auf die geologischen Besonderheiten der Umgebung hingewiesen. Islamabad bzw. die Moschee befindet sich am Südrand des Himalaya-Systems. Topologisch befindet man sich am nordöstlichen Rand des Potwar-Plateaus, politisch ist die Grenze Punjab/North-West-Frontier-Province (NWFP) nur wenige km entfernt. In geotektonischer Sicht ist die Umgebung Islamabads die Murreezone des Subhimalayas (soweit man von solch einem Komplex überhaupt sprechen kann), welche durch Sandsteinkonglomerate gekennzeichnet ist. Sie stellt die Grenze zwischen der jungtertiären Molasse und der metamorphen Amphibolitfazies dar und wird auch als „Main Boundary Fault“ bezeichnet. Nördlich an diese Zone schließt sich der Himalaja an, in der Literatur teilweise auch als „hoher Himalaja“ gekennzeichnet. Die Murree-Sedimente sind etwas älter als die Siwalik-Sedimente, die eine junge Auflage auf der indischen Platte bilden. In ihrem Norden findet sich nur noch der Untergrund; die Siwalik-Sedimente wurden erodiert, und es kamen präkambrische und paläozoische Sedimente zum Vorschein.

Die Erosionsfläche des Potwar-Plateaus ist eine ebene Landschaft, deren Untergrund während der Hebung des Himalajas im Jungtertiär (Miozän) gefaltet wurde. Das Potwar-Plateau und die südlichen Ausläufer des Himalajas konnte man während des Anfluges auf Islamabad deutlich als ebene Erosionsfläche und darauf folgende Schichtrippenlandschaft identifizieren.


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