Dienstag, 07. Oktober 1997

Jeep-Tagestour zum Deosai-Plateau

Janne Birnstiel; Denver Ehrlich

 
Startpunkt unserer Exkursion war das K2-Motel in Skardu. Das Hotel liegt auf einer Höhe von 2230 m (GPS-Messung). Unsere Tour sollte uns in eine Höhe von 4020 m auf dem Deosai-Plateau führen. Um 6:30 Uhr lagen die Temperaturen in Skardu bei 9,5° C - geht man von einer feuchtadiabatischen Temperaturabnahme von 0,7° C/100 m aus, so betrug die Temperatur ca. -2° C auf dem Plateau. Fünf Minuten vor Acht sind wir mit sieben Jeeps älteren Baujahres vom K2- Hotel in südlicher Richtung zunächst zum Satpara See aufgebrochen. Nach ungefähr 26 km, die uns über eine einspurige Schotterpiste entlang des Satpara Cho führten, wurden wir am checkpost one gestoppt. Nach langwierigen Verhandlungen, während derer sämtliche Pässe kontrolliert werden mußten, wurde uns Einlaß in den Nationalpark gewährt. Der Deosai-Nationalpark besteht seit 1995 und wurde auf Anraten westlicher Nationen im Rahmen des Himalayan Wildlife Project ins Leben gerufen. Unterhalb des checkpost lag eine kleine Ortschaft mit schätzungsweise einigen 100 Einwohnern. Während wir auf unsere Einreiseerlaubnis warteten, konnten wir beobachten, wie mehrere Kinder ihren Schulunterricht im Freien vorbereiteten. Auf den Hängen entlang des Dorfes wurde offensichtlich Extensivweide durch Yaks und Ziegen betrieben.

PakistanNachdem wir unsere Tour weitergeführt haben, begegneten wir einem Pferde-Muli-Transport, der unter anderem Brennholz für das Dorf mit sich führte. Aufgrund der schlechten Straßenverhältnisse kamen wir nur mit einer Geschwindigkeit von 10 mph voran. Am Nordende des Satparasees, der 2600m hoch gelegen ist, machten wir unseren ersten Stopp. Unser Standort war eine kleine Stadialmoräne, von der aus wir die große Moräne, die den Talabschluß bildete, betrachtet haben. Dieser wurde sehr wahrscheinlich aus einer Endmoräne gebildet. Unsere Stadialmoräne stammt dagegen aus der letzten Eiszeit. Rechterhand lag eine würmeiszeitliche Ufermoräne. Innerhalb des Sees war eine Insel zu sehen, die aus einem jungen Stadialstand einer Endmoräne hervorging.

Im Pleistozän wurde das Tal durch den Gletscher bis Skardu übertieft. Interessant ist an dieser Stelle die Frage, ob der Satparagletscher mit dem Katschuragletscher vereint gewesen ist. Man geht heute davon aus, daß der Satparagletscher nur ein Nebenbecken gebildet hat, da südlich des Satparasees keine Seitenmoränen vorhanden sind. Zudem ist der untere Teil des Beckens zu trocken, was darauf schließen läßt, daß die Niederschlagsbilanz für den Gletscher nicht ausreichend war.

Von unserem Standpunkt aus blickten wir direkt auf den See in Richtung Trogtal, welches das Material für die Schotterschüttung lieferte. In dem vorgelagerten Schwemmkegel fanden im Interglazial starke erosive Tätigkeiten statt. Allerdings lief der Schottertransport in den See, welcher als Sedimentfalle fungierte, nicht kontinuierlich ab. Die spärliche Vegetation und fehlende Bodenschicht deuten darauf hin, daß diese Prozesse noch nicht abgeschlossen sind.

Pakistan - Jeeptour -Um 8:30 Uhr setzen wir unsere Fahrt bei 10° C fort.

Aus unseren Jeeps konnten wir Pappeln, Aprikosen, Walnuß, Maulbeeren (?), Wacholder, Sanddorn, Heckenrosen und Hundsrosen sehen. In einer Höhe von 2960m haben wir eine 100m mächtige Seitenmoräne passiert (GPS-Messung). Birken wuchsen bis in eine Höhe von 3170m, in Wassernähe jedoch lag die Obergrenze bei 3650m. Die Vegetationsgrenze von Weiden und Berberis lag bei 3350m; der Zwergwacholder (Juniperus sibiria) wuchs bis in eine Höhe von 3500m. Die Wacholder werden bevorzugt als Brennholz genutzt, weshalb wir, bis auf einige seltene Baumwacholder in größerer Höhe, nur Zwergformen finden konnten. Baumwacholder wachsen bis in eine Höhe von ca. 3750m. Darüber hinaus trat Knöterich als Vegetationsform auf.

Während der Fahrt fiel uns ein Hangabschnitt mit einer deutlichen Gelbbraunfärbung auf. Diese Färbung wird durch verwitterndes Limonitgestein hervorgerufen, welches überwiegend aus Goethit, einem Nadeleisenerz, besteht.

Unterwegs mußten wir eine Holzhängebrücke überqueren und über die kurvenreichen Schotterpisten sausen. Dicht gedrängt kauerten wir in den Jeeps und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Von oben kam uns ein anderer Jeep entgegen, den wir talseitig passieren mußten. Dabei hatten wir die einige 100m steil abfallende Schlucht vor Augen! Um 11 Uhr erreichten wir bei einsetzendem Graupelschauer die 4000m - Marke. Bereits knapp unter dieser Marke haben wir vereinzelte Schneereste sehen können.

Um 11:05 Uhr kamen wir bei der Höhenstation auf dem Plateau, unserem zweiten Stop, an. Es war 3,4° C kalt und der Graupelschauer nahm an Intensität zu. Während des Niederschlages sackte die Temperatur auf 0,5° C ab.

Bis vor zehn Jahren war dieses die höchstgelegene Wetterstation. Heute wird sie automatisch mit "Data-loggern" betrieben, die nur zweimal jährlich der Wartung bedürfen. Dieses moderne, solar betriebene System wurde von kanadischen Wissenschaftlern errichtet und umfaßt Windrichtungs-, Windgeschwindigkeits-, Strahlungs-, Temperatur- und Niederschlagsmeßgeräte. Das eingebaute "Snowpillow" mißt das Gewicht der aufliegenden Schneedecke, wobei das Meßergebnis durch die Windexposition stark beeinflußt ist. Die aktuellen Daten werden satellitengestützt übertragen, so daß diese für ein aktuelles Hochwasserwarnsystem zur Verfügung stehen.

Pakistan Den dritten Stop machten wir auf dem Plateau in 4020m Höhe, im Bereich des östlichen Ladakh-Kohistan-Komplexes. Dieses Plateau, das zum Hochland von Tibet gehört, besteht aus sauren Gesteinen, Amphiboliten und Gabbro. Das Plateau muß jungtertiär oder später eingeebnet worden sein, da die große Rumpffläche im harten kristallinen Gestein kaum eingeschnitten werden kann. Der Block der von der Indischen Platte gehoben wird, wird allmählich an den Rändern "angenagt" (rückschreitende Erosion).

Da im Sommer monsunale Niederschläge auftreten, kann das Gebiet großflächig zur Almwirtschaft genutzt werden, hauptsächlich für Somus, einer Kreuzung aus Rind und Yak.

Teilweise handelt es sich um sumpfiges Gebiet mit Übergängen bis zur Moorbildung.

Pakistan - Messstation Abflußmessung -Der Wasserhaushalt, der durch die drei Faktoren Niederschlag, Abfluß und Verdunstung bestimmt wird, ist auf dem Plateau schwer abzuschätzen. Deshalb wurde an einer Felsschwelle eine Wasserstation errichtet, um den Abfluß zu messen. Es ist vorteilhaft die Pegelstation am festen Gestein zu errichten, da ein Standpunkt im Schotterbereich aufgrund des sich jährlich ändernden Flußbettes unzuverlässig ist. Das Meßprinzip beruht dabei auf einer piezoelektrisch betriebenen Druckmessung, welche stündlich durchgeführt und über den Zeitraum eines Jahres digital gespeichert wird.

Zur Vegetation: wir finden Rhizocarpum geographicum, die dem interessierten Geographen als Landkartenflechte bekannt ist. Des weiteren treten ca. 5 nicht näher bestimmbare Flechtenarten auf, sowie Torfmoose, Polsterpflanzen und Büschelgräsern mit xeromorphen Merkmalen. Bedingt durch die extremen klimatischen Verhältnisse wie hohe Verdunstung, starke Strahlung und Temperaturgegensätze haben sich spezifische Anpassungsmechanismen herausgebildet, die zur Bildung edaphischer Arten führten. Ein Beispiel dafür sind die Polsterpflanzen, die ein eigenes Bodensubstrat bilden.

Nachdem wir unser Gruppenfoto aufgenommen hatten, setzte starker Schneefall ein, so daß wir den Rückweg antreten mußten. Kälter wird's und die Sicht schlechter, Schneegestöber auch im Jeep - driver: "no mistakes please!" - Und wo bleiben überhaupt die anderen?

Auf unserem Rückzug mußten wir immer wieder anhalten und die Anzahl der Jeeps durchzählen. Ein Jeep fiel dann auch aus, und wir mußten die Insassen verteilen. Vorsicht war geboten, denn leichter Steinschlag drohte. Bei 3500m erreichten wir endlich die Schneegrenze und waren außer Gefahr.

Pakistan - Abenteuer bei einsetzendem Schneefall -Am nächsten Stopp entschied sich ein Teil der Gruppe, zurück nach Skardu zu fahren. Bei einer ausgedehnten Mittagspause gegen 16:00 Uhr stellte Björn großzügig sein Bundeswehrlunchpaket zur Verfügung. Die letzte Station war das Wasserkraftwerk des Satparasees. Von der Wasserfassung über eine Kanalleitung wird das Wasser durch 4 Druckrohre am Hang entlang geführt. Das Kleinkraftwerk ist 10-15 Jahre alt und arbeitet mit zwei unterschiedlichen Turbinentypen, die zusammen 800 kW Leistung erbringen. Dabei gehen bei maximalem Betrieb 467 l/s durch jede horizontalachsige Turbine (der Turbinentyp entspricht dem von Tarbela). Die Effizienz dieses Kraftwerkes ist nicht besonders hoch, was durch die hohe Austrittsgeschwindigkeit des Wassers sichtbar ist. Insgesamt wird auch nur ein kleiner Teil der vorhandenen Wasserkapazität ausgenutzt. Die Versorgungsunsicherheit und häufigen Stromausfälle in Skardu sind bedingt durch den Inselcharakter des Kraftwerkes. Durch Vernetzung verschiedener Kraftwerke könnten die wechselnden Spannungen und Überlastungen zu Stoßzeiten besser behoben werden. Dies wäre allerdings zu kostenintensiv, weshalb wohl weiterhin auf Dieselaggregate zurückgegriffen wird.


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