Mittwoch, 08. Oktober 1997

Ausflug von Skardu zum Kachura-See

Nicole Gottschalk; Silke Trauzoldt

 
Am Morgen des 8.10.1997 brechen wir um 9.00 Uhr vom K2 Motel in Skardu zu einem kurzen Ausflug zum Kachura-See auf. Skardu ist die Hauptstadt von Baltistan. Sie ist umgeben von einigen der höchsten Berge der Welt. Zu ihnen gehören der K2 (8611m), der Gasherbrum (8068m), der Masherbrum (7821m) und viele andere. Der Weg führt uns zunächst durch die Hauptstraße von Skardu, an der sich der Basar entlangzieht. Dort befinden sich zahlreiche kleine Geschäfte, die in garagenähnlichen, eingeschossigen Baracken untergebracht sind. Verkauft werden sowohl Waren des täglichen Bedarfs, wie Brot, Fleisch, und Obst, als auch Waren des mittel- und langfristigen Bedarfs. Hierzu  zählen Kleidung, Werkzeuge, Autoteile, Stoffe, Haushaltswaren, Farben und Möbel. Die meist eingeschossigen Häuser sind sehr einfach gebaut, meist aus Stein oder Beton mit Flachdächern; vereinzelt sieht man aber auch Giebeldachhäuser.

Beim verlassen der Stadt passieren wir die Sanddünen im Skardu-Tal und uns fällt die staubige Luft auf, die durch den Windtransport von Feinmaterial verursacht wird. Hohes Relief und aktive Gletscher führen zu starker Erosion und damit zum Transport großer Sedimentmassen durch das Skardu-Tal. Unser Weg führt uns über Straßen, die von Brennholzbäumen gesäumt sind. Auch Pappeln und vereinzelt Obstbäume schlagen dort ihre Wurzeln. Kühe, Schafe und andere Weidetiere grasen auf den mageren Wiesen.

Als wir freie Sicht auf das Skardu-Becken haben machen wir einen Stopp. Das Skardu-Becken umfaßt eine Fläche von 250 km² inmitten des Karakorum und Himalaya Gebirges in Pakistan. Es liegt im Kohistan-Ladakh-Gebiet, welches seinen Ursprung in einem Inselbogen hat, der über einer Subduktionszone geformt wurde.

PakistanIm Nordosten, mehrere 100m über dem Tal, sehen wir helle Ablagerungen, die im Vergleich zum übrigen Gestein verhältnismäßig jung sind. Es handelt sich hier nicht um eine Moräne, sondern um gut geschichtete Ablagerungen, die zur Bunthang Serie gerechnet werden. Die Bunthang Serie besteht aus verschiedenen Schichten, die mit Vergletscherung, starker schneller Hebung und stetiger Hangdenudation in Zusammenhang stehen. Der Bunthang Schichtenkopf ist eine ca. 1,3km mächtige Abfolge von jungen Sedimentablagerungen, die ungewöhnlich gut erhalten geblieben sind. Man kann sie an der Nord-Ost-Wand des Skardu-Beckens betrachten.

Die Bunthang Serie besteht aus einer Abfolge von 3 Schichten: der oberen, mittleren und unteren Schicht. Die obere Schicht besteht aus feinen bis mittleren Korngrößen von Sandstein überlagert von mudstone und hat eine Mächtigkeit von 460m. Die mittlere Schicht setzt sich hauptsächlich aus Konglomeraten mit eingebettetem Sandstein zusammen. Die gesamte Dicke beträgt 330m. Die untere Schicht ist 450m mächtig.

An der westlichen Talflanke sehen wir Geröllaufschüttungen. Ein erster Erklärungsansatz deutet diese Geröllaufschüttungen als Moräne, die aber nicht mit der Kachura-Moräne in Verbindung gebracht werden kann. Auch kann sie nicht aus dem Fels anderer Moränen gebildet sein. Es ist allerdings fraglich, wie in diesem kleinen Tal der Gletscher eine so hohe Moräne setzen konnte. Eine zweite Erklärung läuft darauf hinaus, daß es sich nicht um ein Gletschertal handelt, sondern um ein zeitliches Äquvivalent zur hohen Bunthang Serie auf der anderen Seite.

PakistanNach 32km Fahrt sind wir an unserem Ausgangspunkt für die Wanderung zum Kachura-See, der vom Besitzer des dortigen Hotelkomplexes in Shangrila umbenannt wurde, angekommen. Wir wandern durch ein Dorf, das sich den Hang hinaufzieht. Auf den terrassiert angelegten Feldern wird Reis, Mais, Weizen und Viehfutter angebaut. Weiterhin wachsen dort Aprikosen-, Maulbeer-, Mandel- und Walnußbäume. Baumfrüchte spielen in dieser Region eine große Rolle für die Ernährung der Bevölkerung.

Die Wallmoräne, die den Kachura-See kreisförmig umschließt, besteht aus groben Blöcken. Diese Blöcke aus dunklem Gneis neigen zu Wüstenlackbildung, wie an den Herausragenden Blöcken erkennbar ist. Der türkis schimmernde, sehr klare Kachura-See ist ca. 100m tief. Es ist weder ein oberirdischer Zufluß noch ein Abfluß zu erkennen. Da der See aber Wasserstandsschwankungen aufweist, müssen diese Zu- und Abflüsse unterirdisch verlaufen. Die Wasserstandsschwankungen sind an den zur Zeit im Wasser stehenden Uferbäumen erkennbar.

PakistanDie Schwankungen des Wasserspiegels betragen bis zu 30m, verursacht durch die Monsunniederschläge und die Schneeschmelze. Nach einer längeren Mittagspause mit obligatorischen Chy machen wir uns auf den Rückweg und haben den Rest des Tages frei!

Literatur:
Cronin, V.S.; Johnson, G.D.: Revised Chronostratigraphy Of The Late Cenozoic Bunthang Sequence Of Skardu Intermontane Basin, Karakoram Himalaya, Pakistan. In: Shroder, J.F. (Hrsg.) 1993: Himalaya To The Sea, London, New York.


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