Samstag, 11. Oktober 1997

Mingaora - Peshawar  Landwirtschaft und historische Sehenswürdigkeiten im Swat-Tal und der Malakand Region

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Auf der 150 km langen Strecke von Mingora nach Peshawar entlang des Swat-Tales, das bis in die jüngste Zeit ein eigenständiges Fürstenreich war, welches erst nach dem erzwungenen Rücktritt des letzten Herrschers, dem Wali von Swat zur North West Frontier Province gehört; ist unser erster Halt bei dem etwa 1 km südwestlich von Barikot gelegenen in Marmor gemeißelten Buddha in seiner bekannten Meditationshaltung. Es handelt sich um ein Relikt aus der Zeit 680 u.Z.. Für islamische Fundamentalisten Zeit genug, die Statue stark zu zerstören.

Bei dem in diesem Gebiet vorherrschenden Gestein handelt es sich vorwiegend um Granite und Marmor, der industriell aufbereitet wird, um später im Bau eingesetzt zu werden.

Die Straße führt am Barikot Hill vorbei, wo Alexander der Große während eines Indien Feldzuges im 4. Jhd. v.u.Z. einen langwierigen Kampf um die Eroberung der Stadt Bazira führte. Im 8. Jhd. u.Z. erbauten Hindus auf den Ruinen ein Fort, dessen Mauern noch heute zu sehen sind.

Bereits zwei Kilometer weiter entdecken wir die wuchtige Stupa Shingerdar, mit der die buddhistische Kultur des Swat-Tales im 3. und 4. Jhd. ihren Höhepunkt erreichte.

PakistanDer einheimischen Legende zufolge war ein weißer Elefant mit den heiligen Reliquien Buddhas, die im Inneren der noch im Bau befindlichen Stupa versiegelt werden sollten, hierher gesandt worden. Nach Erfüllung seines Auftrages hauchte der Elefant an dieser Stelle sein Leben aus und wurde zu Stein.

Auf der Weiterfahrt Richtung Süden befindet sich neben der Straße der Swat-Kanal, der zur Bewässerung des Gebietes südlich des Malakand Passes dient.

Der auf einer Höhe von 1500m Höhe gelegene Paß wird vom Malakand-Fort bewacht. Hier schlug im Jahre 1897 eine 1000 Mann starke Truppe der Sikh-Armee eine Armee von 10.000 pathanischen Religionsfanatikern in die Flucht. Diese Schlacht gilt als die bedeutendste Schlacht, die die britische Armee jemals mit soviel Blutvergießen in der North West Province geführt hat. Eine Tafel auf der Paßhöhe weist heute darauf hin.

Führte die Straße bisher durch ein aus Swat- und Mansera Granit sowie Graniten der Shadra - Gruppe aufgebautes Gelände, stellt der Malakand Paß die Grenze zwischen alkalischem Gestein, wie dem leicht zu bearbeitenden Malakand Granit,  der als Baumaterial genutzt wird und metamorphen Gesteinen des Paläozoikums dar, die uns bis Peshawar folgen, jedoch nach Süden hin von alluvialen Ablagerungen überdeckt werden.

Der Swat-River hat sich entlang dieser Strecke tief in die Bergkette eingeschnitten. Zahlreiche Geröll- und Schuttakkumulationen am Fuße der Bergflanken zeugen von Hangrutschungen.
 

Weiter geht die Fahrt entlang von Feldern, bestellt mit Tomaten, Zwiebeln, Gurken, Spinat, Kohl, Mais, Hirse, Zuckerrohr, Tabak sowie Obstbäumen mit Kaki-Früchten, Äpfeln und Aprikosen; weiterhin finden sich Felder mit Melonen und Rettich.

Nach einem kurzen Stop mit Blick auf das Swat Tal und die Swat Berge, deren einst natürlich bewaldete Flanken nach einer großflächigen Entwaldung heute mit Eukalyptusbäumen angepflanzt werden, geht es  entlang von Gneisen vorbei am Damkot Hill mit Churchill´s Picket. Von hier aus beobachtete 1897 Winston Churchill, der damals Kriegsberichterstatter für den Londoner Daily Telegraph war, inmitten des Kampfgetümmels die erbitterte Schlacht gegen die gefürchteten pathanischen Stämme. Ein monumentaler Schriftzug weist auch heute noch darauf hin.

Schon im 8 Jhd. diente der Hügel als Beobachtungs- und Verteidigungsposten. Freigelegte Überreste einer ausgedehnten Hindu Festung sind auch heute noch zu finden.

Einige Kilometer weiter sind die Ruinen eines mächtigen Forts der Hindu Shahi aus dem 8. bis 10. Jhd. zu sehen.

PakistanVor langer Zeit war das von den Swat Bergen begrenzte grüne Tal im Nordosten Peshawars  ein blühendes Zentrum der Gandhara Kultur. Eines der wenigen Überreste, die vom einstigen Glanz zeugen,  stellen die Ruinen des Takht-i-Bahi-Klosters dar. Das Kloster, in dem sich die Mönche den Lehren und dem Leben Buddhas widmeten, zählt zu den eindrucksvollsten und besterhaltensten Pakistans. Das Gründungsdatum vermutet man zwischen dem 1. und 2. Jhd. u. Z.. Vor dem Eingang zum Hauptkloster befindet sich ein Bau mit Zellen, die jeweils mit einer Nische für die Lampe und andere Utensilien des Mönches ausgestattet sind.

Den Stupa-Hof am Ende des Pfades säumen Kapellen bzw. Alkoven. Diese ursprünglich überdachten Nischen enthielten Gipsstatuen des sitzenden oder stehenden Buddhas. Heute ist nur noch eine davon zu sehen. Von hier aus führen Stufen zum Klosterhof, den Mönchszellen umringen.

Verschiedenste Kapellen- und Speiseräume ergänzen den Klosterkomplex.

Wir befinden uns jetzt im Peshawar Becken mit seinen ungefalteten klastischen Sedimenten des Quartärs.

Noch wenige Kilometer und wir erreichen am Nachmittag die Vororte von Peshawar, den Ort unseres Nachtquartiers.

Es bleibt noch etwas Zeit für einen Bummel über die Basare mit ihren engen Gassen und unerschöpflichen Gütern bis es am Abend heißt: Dinner at Saladin´s.


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