Montag, 13. Oktober 1997

Indusfahrt

Eric Larsen; Norbert Kortum

 
Für den heutigen Exkursionstag war ursprünglich eine kombinierte Zug- und Schiffahrt entlang bzw. auf dem Indus geplant. Aber aufgrund der späten Ankunft im Moghulcamp am Vortage wurde beschlossen, daß wir die gesamte Strecke mit dem Boot ableisten, da wir sonst sehr früh die Bahn hätten nehmen müssen.

Ein Großteil der Exkursionsteilnehmer stand heute gegen 06.30 Uhr auf, denn die Bootsabfahrt am hauseigenen Steg war für 08.00 Uhr angesetzt. Aufgrund der begrenzten Duschmöglichkeiten waren diese natürlich stark umworben, aber dennoch konnte das anschließende Frühstück pünktlich zu Ende gebracht werden, so daß allgemeine Freude herrschte als gegen 08.10 Uhr drei kleine Kutter am Steg warteten und auch das Wetter einen nahezu wolkenlosen Himmel und heiteres, heißes Wetter erwarten ließ.

Die drei Boote waren mit primitiven Zwei- Takt- Motoren ausgestattet und faßten pro Stück etwa 10 Personen. Schnell merkten alle Exkursionsteilnehmer, daß zudem die Dieselabgase, die leider nicht separat abgeleitet wurden, mit Hilfe des Fahrtwindes uns ständig in das Gesicht geweht wurden.

Herr Hormann wiederholte noch einmal das Ziel der Fahrtroute: Es sollte von unserem Ausgangspunkt strikt den Indus flußaufwärts gehen, bis wir das Dorf  Mukhad  erreichen würden. Von hier aus ginge es dann zurück. Da wie erwähnt der erste Teil der Strecke flußaufwärts zu bewältigen war, schafften die Kutter mit ihren schwachen Dieselmotoren nur wenige Meter in der Minute.

Das Wasser des Indus war an diesem Tage trübe und braun, und trotzdem schien ein Besatzungsmitglied des einen Bootes dies nicht abzuschrecken, denn er trank aus dem Indus einen ganzen Becher Wasser! Da nur wenig später Fäkalien an der Wasseroberfläche an uns vorbei- schwammen und das Wasser sehr verschmutzt wirkte, wunderten wir uns über den offensichtlich äußerst niedrigen Bildungsstand jenes Pakistani.

Inzwischen brannte die Sonne schon sehr heiß vom Himmel, und zumindest eine Bootsbesatzung konnte sich über Sonnenschutz in Form von Leintüchern freuen, auch weil an diesem Tag sicherlich 30° C im Schatten erreicht wurden.

Während der Fahrt machte uns Herr Hormann immer wieder auf die Oberflächenformen entlang des Indus aufmerksam. Im ersten Teil der Strecke erstreckte sich nämlich eine Durchbruchsstrecke durch Siwalikablagerungen, genauer gesagt durch gefaltetes Jungtertiär. Es ließ sich erkennen, daß rot- grau- braune Mergel mit Salzkruste an Intensität nachließen und in Siwalikablagerungen übergingen. Am Südrand dieser Ablagerungen sollte sich zudem älteres Gestein unter den erstgenannten befinden.

Jedoch fiel uns im Verlaufe der Fahrt auf, daß sich das Fallen der Siwalikhöhen auf der linken Seite, flußaufwärts gesehen, änderte. Dazu bemerkten wir, daß sich die Wasserfarbe  wandelte, daß heißt der Indus jetzt eine klare grüne Farbe hatte, also auch die Wasserqualität bei gleicher Fließgeschwindigkeit besser zu werden schien. Wir vermuteten, daß dies auf die unterschiedlichen Flutungsphasen der Staudämme zurückzuschließen sei.

Zur Stauseefrage bemerkte Herr Hormann ergänzend, daß in diesem Abschnitt des Flußes ein entsprechendes Bewässerungs- und Stromerzeugungsprojekt sinnvoll sei, wobei das oberhalb gelegene Nowsheha durch den gestörten Abfluß der Überschwemmungsgefahr ausgesetzt würde.

Die Planung hierzu ist bereits abgeschlossen, jedoch stellt sich die Provinz gegen die Durch-führung, da sie befürchten, nicht genug Wasser zu erhalten.

Nach zwei und insgesamt vier Stunden Fahrtzeit legten wir jeweils kurze Pausen ein und legten am Ufer an. Aufgrund der Hitze fuhren wir aber schnell weiter.

Nach sechs harten Stunden lauten und stinkenden Vorwärtsschleichens erreichten alle drei Kutter endlich Mukhad. Die Dorfbewohner beäugten uns einerseits voller Mißtrauen, anderseits voller Hoffnung etwas an uns verkaufen zu können. Da alle Exkursionsteilnehmer von der Hitze ausgelaugt waren, wurde das Programm gekürzt. Wir besichtigten also nur zwei Moscheen und Grabstätten. Im Anschluß erholten sich alle im Dorf bei Japati und Chy.

Nach etwa einer Stunde Aufenthalt traten wir dann die Rückfahrt an, und dies bedeutete nun bei der Strecke flußabwärts die halbe Zeiterfordernis im Vergleich zur Hintour.

Gegen 15.00 Uhr starteten wir und genossen die durch die tiefstehende Sonne rot gefärbten Anhöhen links und rechts des Indus. Nach ca. drei Stunden erreichten wir bereits im Halbdunkel unseren Ausgangspunkt Kalabagh.

Erschöpft, aber glücklich gingen alle von Bord, und nachdem alle sich frisch gemacht hatten, wurde der Tag mit einem guten Abendessen (Gemüsesuppe und Hühnerspaghetti), welches vom Kochteam mal wieder ausgezeichnet zubereitet worden war, und einer Abschlußbesprechung beendet.


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