Montag, 29. September 1997

Fischmarkt und Bootsausflug zu den Mangrovenwäldern Karachis

Birte Wörner; Sascha Timm

 
Nach unserer ersten Nacht im Sheraton Hotel und einem reichhaltigen Frühstücksbüffet, das wir so leider erst wieder am Ende unserer Exkursion erleben durften, fahren wir um 12:00 Uhr zum Fischereihafen Karachis.

In einem Minibuss und einem Taxi schlängeln wir uns durch den hektischen Linksverkehr. Der erste Eindruck ist chaotisch. Eselskarren fahren neben buntgeschmückten Lastern her. Statt Verkehrsregeln zu beachten, beruft man sich hier auf die Hupe, und für das Benutzen der Blinker - wenn überhaupt vorhanden - bleibt keine Zeit.

Kurz vor Ankunft am Hafen werden wir von unserem Reiseführer darauf aufmerksam gemacht, bitte keine Fotos zu machen.

PakistanDann kann man auch schon den überwältigenden Fischgestank wahrnehmen, der den ganzen Hafen zu erfüllen scheint. Kaum aus dem Bus ausgestiegen, sind wir auch schon von einer Gruppe neugieriger Fischer und Kinder umgeben.

Bevor wir in die Fischhalle eintreten dürfen, werden wir noch einmal dazu angehalten, keine Fotos zu machen. Der Zustand in der Halle ist katastrophal. Die Temperatur liegt hier bei ca.   32 °C. Der Fußboden ist glitschig und naß. Vermutlich stammt die Feuchtigkeit von dem Eis, das hier teilweise zwischen den Fischen zur Kühlung direkt auf dem Fußboden ausgelegt wurde. Ein großer Anteil der toten Tiere liegt aber auch ohne Eis einfach auf schmutzigen, glitschigen Untergrund. Unter anderem erkennen wir Arten wie z.B. Thunfisch, Oktopus, kleine Haie und Rochen.

An der Rückseite der Fischhalle gelangt man an den Pier, an dem die Fischerboote ankern. Es handelt sich hierbei um Motorboote aus Holz. Sie sind überwiegend blau angestrichen und die Führerhäuschen sind so bunt geschmückt, wie die für Pakistan so charakteristischen Lastwagen auf der Straße.

Ein Boot verfügt über eine Besatzung von 12 bis 16 Mann, darunter auch Kinder.

Die Fischer bleiben bis zu 14 Tagen auf See und fahren dabei bis zu 100 km vor die Küste. Hauptfangbereich ist bislang das Arabische Meer, wobei es zu keiner  Spezialisierung auf bestimmte Fischarten kommt.

Die Fischerei befindet sich noch im Aufbau. 1988 waren sieben Fangboote der Größenklasse ab 100 Bruttoregistertonnen (BRT) mit einer Gesamttonnage von 2.009 BRT registriert. Für die übrigen Fischereifahrzeuge liegen keine Zahlen vor. Fisch stellt wegen des Eiweißgehaltes eine wichtige zusätzliche Nahrungsquelle dar, zumal in den küstennahen Gebieten Viehhaltung weitgehend fehlt. (Quelle: Stat. Bundesamt, "Länderbericht Pakistan", Wiesbaden, 1990, S.48)

In den letzten Jahren nehmen die Fangerträge zu. 1987 betrug das Ergebnis 427 800 T. Darunter fallen 21 % an die Süßwasserfische, 71 % an die Seefische und 7 % an die Krusten und Weichtiere. An dieser Gewichtung hat sich bis heute kaum etwas verändert. (Quelle: Stat. Bundesamt, "Länderbericht Pakistan", Wiesbaden, 1990, S.49)

Das Kühleis für die Fischhallen und die Schiffe wird mit Lastwagen an die Pier herangefahren und unter Decken gelagert. Es werden dann kleinere Eisblöcke herausgeschlagen und in einen Korb gelegt, um dort dann mit einer Eisenstange zerkleinert und in die Fischhalle gebracht zu werden.

Als wir uns in den kleineren Hallen umsehen, fällt uns auch der informelle Sektor ins Auge: einige Männer und Jungen haben hier ihre kleinen Stände aufgebaut und verkaufen Backwaren, Obst, Mais und Zigaretten an die Fischer.

Es stellt sich dann für uns heraus, daß die roten Flecke auf dem Boden nicht von dem Blut der Fische stammen, sondern daß sich die Beetelnuß auch hier in Pakistan größter Beliebtheit erfreut. Deshalb stehen auch viele Männer mit Zahnstochern beschäftigt in der Gegend herum und beobachten uns während wir an der Moschee auf Prof. Hormann warten.

Da sich einer von uns nicht an das Fotoverbot gehalten hat, befindet sich die Menge um uns herum auf einmal in hellster Aufregung. Und während ein “offensichtlich“ wichtiger Mann mit einem Radio o.ä. um uns herum läuft und am lautesten von Allen schimpft, verflüchtigen wir uns in den Bus, der endlich um die Ecke gefahren kommt.

Nach einigen Minuten können wir dann endlich weiterfahren  auf dem Weg zum nächsten Hafen haben wir die Gelegenheit, uns vom Bus aus ein wenig von der Stadt anzusehen. In Garagen werden alle möglichen Artikel verkauft. Dann gibt es wiederum kleine Läden mit Türen und Schaufenstern, an die sich vereinzelte Obststände anschließen. Da man auch Kühe in den Straßen sah, stellt sich die Frage, ob auch hier in der Stadt Subsistenzwirtschaft betrieben wird.

Auffallend sind auch die hohen Bürgersteige, die darauf hinweisen, wie hoch der Niederschlag in den Zeiten des Monsunregens ausfallen muß.

Dann erreichen wir die Lagune. Nach längerem Warten, welches immer noch auf unsere Schwierigkeiten am Fischmarkt zurückzuführen war, da man auch hier Angst vor Fotoapparaten hatte, segeln wir im Zick-Zack-Kurs aus dem Hafen heraus. Der Hafen wird durch die Mündung des Layari-Rivers geformt und ist zusätzlich durch Manora Spit und die Insel Kiamari geschützt.

Mit einem Blick zurück auf das Festland erkennen wir nun die vielen Lagerhallen, die Be- und Entladerkräne und die militärischen Anlagen am großen Wirtschaftshafen Karachis.

 Je näher wir an die Mangroven heranfahren, werden die bei Niedrigwasser vorgelagerten Schlickbänke gut sichtbar. Man macht sich hier den Tidehub zunutze, indem es möglich ist, durch das Trockenfallen des Gebietes Reparaturarbeiten am Schiffsrumpf zu verrichten.

Bei dem Mangrovenwald angekommen, der hier als Kinderstube für Fische und Flußkrebse fungiert, kommen wir in den Genuß, frische Krebse (Chrustacea) gebraten zu probieren. Dazu gibt es fritierte Kartoffelscheiben und Chapati.

Nach diesem angenehmen Ausflug geht es zurück ins Sheraton Hotel. Für den Rest des Tages haben wir nun Gelegenheit, die Stadt zu erkunden und unseren ersten Basar zu besuchen.


vorheriges Protokoll  *  Übersicht  *  Startseite * nächstes Protokoll


[http://www.denudation.de] | [http://www.denudation.de/geographie/]