Polen-Exkursion 1999 "Naturschutz und Landschaftsentwicklung"

Von Bialowieza ins Biebza Gebiet

Übung "Naturschutz und Landschaftsentwicklung" des Instituts für Wasserwirtschaft und Landschaftsentwicklung der Universität Kiel



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Biosphärenreservat Schorfheide

Der Bialowieza-Nationalpark in Polen

Von Bialowieza ins Biebza-Gebiet

Biebza Nationalpark

Wielkopolski Nationalpark

NSG Heilig Hallen

Fotos

 

Institut für Wasserwirtschaft und Landschaftsökologie
(heute Ökologiezentrum der Uni Kiel)

Uni Kiel

 

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Marc Nitschmann

02.08.99

Nach Frühstück und Büchereinkauf bei Prof. Falinski vom Geobotanischen Institut verließ unser Bus Bialowieza gegen 9.00 Uhr; Zwischenstopps gab es noch an einem Acker mit Buchweizen und zum Einkaufen in Bialystok. Gegen 13.00 Uhr kamen wir bei einem Gebäude der Verwaltung des Biebrza-Nationalparks in Osowiec an. Bevor wir um 14.30 eine Führung erhalten sollten, bauten wir bei dem nicht weit entfernten Campingplatz (Preise in Zloty: Eine Person 3, ein Auto 2, bis 40 Personen 40, über 40 Personen 100; leider ständig(?) abgeschlossene Duschen) die Zelte auf.

Der Biebrza-Nationalpark ist mit einer Fläche von 59233 ha (Fläche der Schutzzone, in der der Park liegt 66824 ha) Polens größter Nationalpark. Begründet wurde er am 09.09.93. Der Biebrza-Nationalpark der größte und natürlichste Komplex von Flachmoor und teilweise Hochmoor in Polen und Mittel- und Westeuropa. Die Biebrza-Sümpfe sind eine wichtige Station für Zugvögel, das Gebiet wurde 1995 in die Liste der Ramsar-Konvention aufgenommen. Eine Informationstafel auf dem Campingplatz schreibt, 268 Vogelarten, davon 178 als Brutvögel seien dort registriert worden. Artur Wiatr, der uns durch einen kleinen Teil des Parks führt, spricht von 50 seltenen Vogelarten, die dort vorkommen, und nennt: Schelladler, Seeadler, Weihen, Schwarzstroch.

Die beste Zeit zur Vogelbeobachtung im Biebrza-Nationalpark ist im Mai oder Ende April oder im Herbst, wenn viele Durchzügler da sind. Im 19. Jahrhundert ist versucht worden, das Gebiet durch Kanäle zu entwässern und trockenzulegen, heute sind die Kanäle in der Regel mit Dämmen wieder aufgestaut.

Im Nationalpark gibt es die größte Elchpopulation Polens. Die Jagd auf Elche ist dort zur Zeit verboten, geschossen werden lediglich kranke Tiere. Im Park bejagt werden nur Wildschweine in der Nähe von Ackerland und amerikanische Nerze, die es erst seit einigen Jahrzehnten dort gibt. Überdies gibt es dort Biber, Otter, Wölfe, Dachse, Rehwild, Rotwild.

Der Nationalpark besteht zu einem Drittel aus Wald und zu zwei Dritteln aus Feuchtgebiet. Geringe Teile sind landwirtschaftlich genutzt, meist Viehhaltung und Heugewinnung, nur wenig Ackerbau. Touristen kommen etwa 20000 pro Jahr, Tendenz steigend, am meisten im Frühling.

Gegen 15.30 erreichen wir Grzedy, eine Art Museumshof, der zum Nationalpark gehört. Man kann dort auch übernachten: Doppelzimmer 30 Zloty, Dreibettzimmer 45 Zloty.

Von hier fahren wir weiter mit dem Bus einen 9 km langen Sandweg durch den Wald nach "Neue Welt", den man eigentlich besser mit dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen sollte. Dicht bei Grzedy ist auf der rechten Seite ein Campingplatz, auf dem es Wiedehopfe geben soll. Auf der rechten Seite befinden sich auch noch ein Partisanendenkmal und ein Stück weiter ein Gatter für verletzte Tiere. Dann steht auf der linken Seite der Heilige Baum, eine Kiefer, die schon seit menschengedenken tot ist, aber immer noch an ihrem Ort steht. Hier gehen wir in den Wald hinein und kommen bald auf eine Holzbrücke über dem Boden des Moorwaldes. Hier wachsen Birken, Kiefern, Preiselbeeren, Blaubeeren; eine Tafel nennt weiterhin Sumpf-Porst (Ledum palustre), Rauschbeere (Vaccinium uliginosum), Polei-Gränke (Andromeda polifolia) und Scheidiges Wollgras (Eriophorum vaginatum).

Von einem Aussichtspunkt am Ende der zweiten Holzbrücke blickt man auf ein Gebiet mit viel Schilf und kleinen Birken, in dem an verschiedenen Stellen kleine, bewaldete Hügel aufragen, das Herr Wiatr als "red marsh strict reserve" (2500 ha groß, erster Schritt zum Schutz 1925). Eine Tafel weist auf Tiere und Pflanzen hin, die hier vorkommen, und nennt: Elch, Wolf, Schelladler, Uhu, Birkhuhn (dieses Jahr angeblich 250 Männchen gezählt), Weißrückenspecht, niedrige Birke (Betula humilis), Frauenschuh, Sonnentau, Karlszepter (Pedicularis sceptrum-carolinum), Moorsteinbrech (Saxifraga hirculus). Als "rot" wird dieses Gebiet entweder wegen roter Blätter und herbstlicher Sonnenuntergänge oder, weil Erze im Boden das Wasser färben, bezeichnet.

Gegen 17.00 Uhr fahren wir weiter nach "Neue Welt", auf der rechten Seite des Weges stehen dabei ein paar große Eichen, deren Alter auf 350 Jahre geschätzt wird. Der mit dem Bus befahrbare Sandweg endet bei "Neue Welt"; der Name rührt wohl daher, daß sich dort die Landschaft ändert: Man kommt auf eine langgestreckte Sanddüne, Name übersetzt "Wolfshügel", die sich aus dem ansonsten flachen Land heraushebt. Auf der Düne wird stellenweise gemäht und Büsche werden geschlagen. Auf der Düne gab es ein Dorf namens Grzedy, das 1944 zerstört und nie wieder aufgebaut wurde. Die Frontlinie im Zweiten Weltkrieg verlief eine Zeit lang hier, und man findet heute noch Munitionsreste. Pflanzen, die dort stehen: Sand-Strohblume (Helichrysum arenarium), Sand-Thymian (Thymus serpyllum), kleines Habichtskraut (Hieracium pilosella), Graukresse (Berteroa incana), Schafrapunzel (Jasione montana), Filzkraut, Wachtelweizen, Nachtkerzen.

Auf der Düne wachsen auch sehr kleine Kiefern; sie werden nicht groß, weil die Elche sie im Winter immer abfressen. Dort wo sich die Düne mit acht Metern am höchsten über das Sumpfgebiet erhebt, steht ein hölzerner Aussichtsturm, von dem aus man mit etwas Geduld wohl Elche beobachten kann.

Weiter auf der Düne entlang, vorbei an Fundamenten von Häusern des zerstörten Dorfes, kommt man an eine kleine Holzhütte, die zu kommunistischer Zeit für die Politprominenz, die hier auf Elchjagd ging, errichtet worden sein soll. Darin befindet sich außer einem Wespennest nichts Nennenswertes. Bei dem anhaltend trockenen Wetter konnte man durchaus ein Stück von der Düne aus in den Sumpf gehen. Gegen 20.00 Uhr fuhren wir von "Neue Welt" ab, etwa 21.00 Uhr Ankunft am Campingplatz. Eine zusätzlich angebotene Diashow über den Biebrza-Nationalpark wollte eine Mehrheit an diesem Abend nicht mehr sehen.


Naturschutz und Landschaftsentwicklung • Institut für Wasserwirtschaft und Landschaftentwicklung der Uni Kiel (heute Ökologiezentrum) • 1999


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